Archiv der Kategorie: Nutzwertjournalismus

Neues Buch über Ratgeber-Journalismus auf der Frankfurter Buchmesse

Auf der Frankfurter Buchmesse wird vorgestellt: Andreas Eickelkamp, Jürgen Seitz: Ratgeber. Basiswissen für die Medienpraxis. Journalismus Bibliothek, Band 11. Köln: Herbert-von-Halem-Verlag. 2013. Broschur mit Klappe, 190 x 120 mm, ISBN 978-3-86962-025-1. 18,50 EUR. weitere Infos des Verlags

Den Stand des Herbert-von-Halem-Verlags der Frankfurter Buchmesse finden Sie in Halle 3.1, Stand B88.

Finanzkrise drückt Stiftung Warentest ins Minus

Wegen der niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt wird die Stiftung Warentest erstmals in ihrer Geschichte ein Geschäftsjahr mit einem Verlust abschließen. Das melden die Zeitung „Welt am Sonntag“ und die Nachrichtenagentur dapd. „In unserer Planung gehen wir von einem Minus von 1,35 Millionen Euro aus“, sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus der Zeitung.

Die Verkaufszahlen der Publikationen „Test“ und „Finanztest“ seien nicht der Grund für das Defizit. Das Minus gehe auf die aktuelle niedrige Verzinsung des Stiftungskapitals mit rund 2,5 Prozent zurück, sagte Primus.

Im Jahr 2009 habe der Bund das Stiftungskapital um 50 Millionen Euro erhöht und im Gegenzug die jährlichen Zuschüsse von 6 auf 3,5 Millionen Euro gekürzt. Die Zuschüsse sind Ausgleichszahlungen dafür, dass die Publikationen laut Stiftungssatzung anzeigenfrei sind. Damals sei laut Primus eine Verzinsung mit fünf Prozent des zusätzlichen Kapitals erwartet worden, somit jährliche Erträge von 2,5 Millionen Euro. Mittelfristig sei eventuell darüber nachzudenken, „ob die Kürzung der jährlichen Zuschüsse vielleicht zu heftig ausgefallen ist“.

Im Jahr 2011 hatte die Stiftung ohne die Erlöse aus dem Stiftungskapital einen Verlust von 1,6 Millionen Euro erwirtschaftet. Dieser wurde durch Zinseinnahmen in Höhe von 2,4 Millionen Euro aus dem gesamten Stiftungskapital mehr als wettgemacht. 2010 lag der Verlust bei 0,8 Millionen Euro, der Zinsgewinn bei 1,6 Millionen Euro.

Inzwischen habe die Stiftung Warentest Sparmaßnahmen ergriffen, die aber keine Testvorhaben beträfen, sagte Hubertus Primus. Die Stiftung mit Sitz in Berlin untersucht seit 1964 im staatlichen Auftrag Waren und Dienstleistungen. (ek)

Computerbild: Nutzwert jetzt ohne Fachleute?

Die Zeitschrift „Computerbild“ wird offenbar weiter überwiegend von Praktikanten, Aushilfen und freien Journalisten produziert. Die Freistellung von mehr als 50 Mitarbeitern der Stammredaktion, zum 1. Juni zunächst für zwei Wochen ausgesprochen, wurde Medienberichten zufolge verlängert. In einem offenen Brief (pdf) werfen die freigestellten Redakteure dem Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG Mathias Döpfner jetzt vor, der Anspruch der Leser auf eine qualitativ hochwertige Zeitschrift müsse dem wirtschaftlichen Erfolgsdruck weichen.

Springer hatte die schätzungsweise 80 Mitarbeiter der Computerbild-Gruppe in eine nicht tarifgebundene GmbH überführen wollen. Nachdem 58 Mitarbeiter nicht dorthin wechseln wollten, hat der Verlag sie zum 1. Juni befristet freigestellt. Die 14-täglich erscheinende Zeitschrift mit einem Umfang von rund 94 redaktionellen Seiten (Nr. 13/2012) muss seitdem offenbar ohne zwei Drittel der Stammbelegschaft erstellt werden. Dennoch sagte Springer-Sprecher Tobias Fröhlich gegenüber meedia.de, die Produktion der aktuellen Ausgaben der Gruppe sei „komplett sichergestellt“.

Am 21. März hatte der Betriebsrat einen Sozialplan unterzeichnet. Jetzt bereitet der Verlag nach Informationen des Deutschen Journalisten-Verbands formal die Massenentlassung der betroffenen Redakteure vor.

Springer-Chef Döpfner begründet die Ausgliederung der Redakteure aus dem Verlag mit den schrumpfenden Verkaufszahlen im Computerzeitschriften-Sektor. Sie sei ein „wirtschaftlich notwendiger Schritt“. Dessen ungeachtet gilt die Zeitschrift „Computerbild“ nach wie vor als Gewinnbringer innerhalb des Verlags. Im März vermeldete die Axel Springer AG ein Rekordergebnis für 2011: Der Konzern steigerte den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf 593,4 Mio. Euro, die Rendite stieg auf 18,6 Prozent. Die inländischen Zeitschriften hätten beim Ebitda sogar ein neues Allzeithoch erreicht, hieß es im März dieses Jahres. (ek)

(Hinweis: Der Autor war von 1998 bis 2002 Redakteur der Zeitschrift „Computerbild“.)

Juristischer Druck auf Warentester steigt

Auf Zeitschriften mit vergleichenden Warentests erhöhen die Hersteller von Produkten, die mit dem Testergebnis nicht einverstanden sind, offenbar den juristischen Druck. Neben den Verlagen würden zunehmend einzelne Mitarbeiter persönlich verklagt. Das sagte der Chefredakteur der Zeitschrift „Öko-Test“, Jürgen Stellpflug, einem Eigenbeericht [Link erloschen] des Netzwerks Recherche zufolge auf der Jahreskonferenz des Vereins.

Wie auch die Zeitschrift „Test“ der Stiftung Warentest müsse „Öko-Test“ rund ein Dutzend Prozesse pro Jahr führen. „Test“-Chefredakteurin Anita Stocker berichtete von „deutlich mehr“ Beschwerden in Form von Anrufen und Schreiben. In der Folge würden die Redakteure ihre Texte „unglaublich vorsichtig formulieren“. Denn nicht gegen die Tabellen mit den Messergebnissen und Beurteilungen, sondern gegen einzelne Wörter und Satzteile würden sich die Beschwerden richten, so Stocker.

Laut „Öko-Test“-Chef Stellpflug zehre die Taktik der Juristen, gegen einzelne Personen vorzugehen, an den Nerven der Betroffenen. Einzelne Mitarbeiter hätten aus diesem Grund sogar die Zeitschrift bereits verlassen. (ek)

Fasel lehrt nicht mehr: Auch Abkehr vom Nutzwertjournalismus?

30698244fdChristoph Fasel, Experte für Nutzwertjournalismus, wendet sich offenbar vom Nutzwertjournalismus ab: Bereits 2011 hat er die Hochschule Calw verlassen, wo er als Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement Master-Studenten im Bereich Verbraucherjournalismus unterrichtete. Auch wird die vielfach angekündigte Neuauflage seines Buchs „Nutzwertjournalismus“ nicht mehr erscheinen. Was er mit dem von ihm geleiteten An-Institut für Verbraucherjournalismus plant, ist unbekannt.

Christoph Fasel wurde zuletzt als Autor des momentan auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste (Hardcover Sachbuch) stehenden Buchs „Samuel Koch. Zwei Leben“ über den verunglückten „Wetten dass“-Kandidaten einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Zuvor hat er sich als Experte und Dozent für Verbraucherjournalismus einen Namen gemacht. 2002 wurde er zum Professor an der „SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw“ berufen; er gründete 2005 das „Institut für Verbraucherjournalismus“ als An-Institut der Hochschule.

Doch Ende Mai 2011 kündige Fasel laut „Schwarzwälder Boten“ vom 03.06.2011 überraschend an, seinen Vertrag als Professor zu kündigen. Gleichermaßen habe sich der Geschäftsführer der Hochschule, Heiko Schwöbel, abgemeldet. Diplomkaufmann Schwöbel wird in der von Fasel betriebenen Beratungsagentur „fasel! Wir lassen Kommunikation glücken“ mit einer Leitungsfunktion aufgeführt. Sein Amt als kommissarischer Leiter der Hochschule wolle Fasel ebenfalls, und zwar laut Bericht „mit sofortiger Wirkung“, niedergelegen.

„Den Bettel hingeschmissen“

Ein persönlicher Kenner Fasels geht davon aus, dass die Entscheidung in seiner Person begründet liege, er habe schon öfter „den Bettel hingeschmissen“. Fasel hatte 2005 die Leitung der renommierten Henri-Nannen-Journalistenschule (Gruner + Jahr/Die Zeit) nach einigen Monaten wieder abgegeben. Möglicherweise sei Fasel aber auch nur eine Übergangslösung gewesen – die Fachhochschule, die sich einige Zeit zunächst vergeblich um eine Akkreditierung bemüht hatte, habe Fasel als akademischer Leiter durch „schwieriges Fahrwasser“ navigieren müssen.

Im „Schwarzwälder Boten“ heißt es: „Nachdem er gemeinsam mit dem gesamten Team das Ziel (der Akkreditierung, d. Red.) erreicht habe, wolle er sich aus persönlichen Gründen anderen beruflichen Herausforderungen stellen.“ Die genauen Umstände von Fasels Abgangs bleiben jedoch unklar. Der Sprecher und Geschäftsführer der Hochschule, Christian Gerard, bestätigte lediglich per E-Mail: „Herr Fasel ist seit letztem Jahr nicht mehr an der Hochschule Calw angestellt.“ Der Professor selbst hat trotz unserer mehrfachen Anfrage bis jetzt dazu keine Stellung genommen.

Auf der Homepage des von Fasel geleiteten Instituts für Verbraucherjournalismus steht jedoch nach wie vor, er sei seit 2002 Professor für Medien- und Kommunikationsmanagement an der SRH Hochschule für Wirtschaft und Medien Calw.

„Aktuell Prorektor an der SRH Hochschule in Calw“

Den Abgang von der Hochschule hat Fasel auch vielen seiner Geschäftspartner offenbar nicht mitgeteilt: Er wird öffentlich auch weiter als an der Hochschule Calw tätiger Professor geführt. So heißt es im Programm der Jahrestagung Netzwerkes Recherche, wo Fasel als Referent auftritt, er sei „aktuell Prorektor an der SRH Hochschule in Calw“ (Stand 15.05.2012). Ferner wird Fasel vom Lobbyverband „Markenverband“, wo er Jurymitglied für einen Journalistenpreis ist, immer noch als Professor „an der Hochschule“ Calw genannt (Pressemitteilung vom 11.05.2012).

Den reinen Titel eines Professors kann Fasel offenbar auch ohne Anstellung an einer Hochschule führen. Im baden-württembergischen Hochschulrecht findet sich ein Passus, nach dem Professoren „nach ihrem Ausscheiden aus dem Lehrkörper die Bezeichnung »Professor« oder »Professorin« als akademische Würde führen“ können, sofern ihre Dienstzeit als Professor mindestens sechs Jahre betragen hat.

Auf den Master-Studiengang Medien- und Kommunikationsmanagement, bei dem eine Vertiefungsrichtung Verbraucher- und Wirtschaftsjournalismus eingeführt worden war, soll der Weggang von Fasel keinen Einfluss haben, teilte die Hochschule auf Anfrage mit. „Dieser läuft mit derzeit sieben Studierenden weiter“, hieß es.

Welche Pläne Christoph Fasel mit dem von ihm 2005 an der Hochschule angesiedelten Institut für Verbraucherjournalismus hat, ist dagegen unklar. Auf der Website der Hochschule wird das Institut nicht mehr unter den kooperierenden Instituten aufgeführt. Der Hochschulsprecher teilte knapp mit: „Das Institut für Verbraucherjournalismus existiert weiterhin. Die strategische Ausrichtung des Instituts müssten Sie direkt mit Herrn Fasel besprechen.“

Wird Christoph Fasel weiter in Forschung und Lehre des Nutzwertjournalismus aktiv sein? Wir haben ihm folgende Fragen gestellt, die er leider bis jetzt nicht beantwortet hat:

    • Sind Sie weiter im Bereich Nutzwertjournalismus tätig? Wenn ja in welcher Rolle?
    • Ist Ihr Rückzug von der Hochschule (und auch von der Neuveröffentlichung des UVK-Buchs zum Thema) als ein Richtungswechsel weg vom Thema Nutzwertjournalismus zu werten?
    • Was bedeutet dies für die Nachwuchsausbildung im Verbraucherjournalismus?
    • Welche Zukunft und welche Rolle hat das Institut für Verbraucherjournalismus?

a) inhaltlich/in der Forschung; b) formal als An-Institut. Was ist hier geplant?

  • Wie schätzen Sie die aktuelle Bedeutung dieses Journalismus-Typs und der Forschung darüber ein?

Neben seiner Tätigkeiten als ehemaliger Hochschuldozent und Medienberater ist der promovierte Germanist Fasel Mitgesellschafter der Journalistenschule „Klara“ in Berlin. Weiter wird er als Verlagsberater, Blattentwickler und Coach und in dieser Eigenschaft als Mitbegründer der WortFreunde Kommunikation GmbH geführt.

Aktuell ist er Mitglied und stellvertretender Vorsitzender der Verbraucherkommission Baden-Württemberg, die die Landesregierung als unabhängiges Expertengremium in Fragen der Verbraucherpolitik berät.

Christoph Fasel hat im Verlag UVK das Lehrbuch „Nutzwertjournalismus“ veröffentlicht. Das Buch ist erstmals im Jahr 2004 in der Reihe „Praktischer Journalismus“ erschienen. Auf der Internetseite des Verlags steht inzwischen unter Verfügbarkeit: „Erscheint nicht mehr.“ Diese Information hat der Verlag bestätigt. Seit Jahren hatte UVK im Sechs-Monats-Rhythmus eine Neuauflage angekündigt, das Erscheinen dann aber immer wieder verschoben.

Ab 1996 war Fasel Chefredakteur der Monatszeitschrift Reader’s Digest sowie Mitglied der Geschäftsführung des Gesamtverlages, ab 1991 Redakteur und Reporter der Zeitschrift „Stern“ sowie ab 1987 Redakteur der Zeitschrift „Eltern“. Fasel ist Absolvent der Hamburger Henri-Nannen-Journalistenschule (1985). (jok)

In Wirtschaftstexten der Regionalpresse ist brauchbarer Nutzwert angekommen

Die Wirtschaftsberichterstattung in regionalen Tageszeitungen ist in den vergangenen vier Jahrzehnten wesentlich nutzwertiger geworden. Während 1970 nur jeder 71. Beitrag praktischen Nutzwert für den Leser enthielt, war dies 1990 schon bei jedem 27. Artikel der Fall. Im Jahr 2010 war jeder 9. Wirtschaftsartikel für den Leser praktisch anwendbar – eine Steigerung um den Faktor Acht. Dennoch beherrschen Ratgebung, Tipps und Hinweise den Wirtschaftsjournalismus in der Regionalpresse nicht, zumal bei der journalistischen Umsetzung der Nutzwert-Beiträge noch Defizite vorhanden sind. Das sind Ergebnisse einer wissenschaftlichen Studie, die die Fachzeitschrift message in ihrer aktuellen Ausgabe Nr. 2/2012 veröffentlicht hat. Der Autor Ronny G. Bürckholdt hat für seine Abschlussarbeit „Nutzwertjournalismus in der Wirtschaftsberichterstattung regionaler Tageszeitungen“ im Leipziger Studiengang Diplom-Journalistik rund 7.000 Wirtschaftsbeiträge in 216 Ausgaben der Zeitungen Münchner Merkur, Stuttgarter Nachrichten und Kölner Stadt-Anzeiger aus den Jahren 1970, 1990 und 2010 inhaltsanalytisch untersucht. Zudem befragte er die Ressortchefs der entsprechenden Blätter.

Während der Autor beim Münchner Merkur von 2010 fast sieben Mal mehr nutzwertige Merkmale nachwies als in den Ausgaben von 1970, hat der Kölner Stadt-Anzeiger in seiner Wirtschaftsberichterstattung den Nutzwert „nur“ um den Faktor 2,5 gesteigert. Die Stuttgarter Nachrichten liegen mit einer vierfachen Erhöhung dazwischen. Als nutzwertig galten Artikel, die eine Handlungsanweisung oder einen Problemlösungsvorschlag enthielten, den Leser bei einer Kaufentscheidung unterstützten, eine Warnung aussprachen oder weiterführende Informationsquellen nannten.

Der Merkur hatte dabei 2010 auch im Vergleich zu den anderen Blättern die Nase vorn, was auch daran liegen könnte, dass er als Einzige der untersuchten Zeitungen täglich eine eigene Nutzwertseite mit Wirtschaftsthemen bringt. Somit konkurriert der praktische Nutzwert nicht mit der nachrichtlichen Berichterstattung auf den anderen Wirtschaftsseiten um knappen Platz, vermutet Autor Bürckholdt.

PR-Einfluss über die Jahrzehnte gesunken

Der Auffassung, dass Nutzwertjournalismus besonders anfällig für PR-Einflüsse und Schleichwerbung ist, stimmten die befragten Ressortleiter zu. In der Untersuchung fanden sich 2010 bei drei Prozent aller Artikel mit Nutzwert, dass diese von PR induziert waren. Das waren zwar doppelt so viele wie bei nicht-nutzwertigen Wirtschaftsbeiträgen, doch über den gesamten Zeitraum von 41 Jahren betrachtet ist die Zahl von PR-Beiträgen überraschenderweise gesunken.

Bürckholdt erklärt dies damit, dass zum einen Jubelartikel auf Aktiengesellschaften früherer Jahrzehnte inzwischen seltener erscheinen. Zum anderen sind die 20-Jahres-Abstände zwischen den Stichproben so groß, dass die jüngeren Entwicklungen nicht erfasst werden können.

Viel Nutzwert von externen Dienstleistern

Anders als vor zwei Jahrzehnten beziehen die Redaktionen einen großen Teil der nutzwertigen Angebote von externen Anbietern. Jeder dritte nutzwertige Wirtschaftsbeitrag (33,1 Prozent) stammte 2010 von einem auf Nutzwertjournalismus spezialisierten Büro. Jeder fünfte Beitrag (21,8 Prozent) kam von einer Nachrichtenagentur; Gastautoren und nicht erkennbare Quellen machten rund 17 Prozent der Gesamtleistung aus.

Damit schrumpfte die redaktionelle Eigenleistung auf 27,7 Prozent, während 1970 und 1990 noch rund die Hälfte der Wirtschaftsbeiträge mit Nutzwert von der Redaktion selbst stammte. Indem die Zeitungen externe Dienstleister in Anspruch nehmen, können zwar auch kleine Redaktionen den Lesern praktischen Nutzwert bieten, doch geben sie mit der Recherche einen wichtiger Teil ihrer journalistischen Kernaufgabe aus ihrer Hand.

Defizite bei der Umsetzung

Dass die Leser aus ihren Regionalzeitungen inzwischen einiges an Nutzwert herausholen können, heißt noch lange nicht, dass die Wirtschaftsberichterstattung dort nicht noch einige Schwachstellen aufweist. Wie Bürckholdt weiter herausfand, hat der Wirtschaftsjournalismus in der Regionalpresse in folgenden vier Bereichen Nachholbedarf:

  • Weil die Journalisten nur wenige Darstellungsformen verwenden, wirkt die Berichterstattung eintönig und unattraktiv.
  • In vielen Fällen erfahren die Leser nicht klar, aus welchen Quellen die jeweiligen Informationen stammen. Insgesamt stützen sich nutzwertige Texte auf weniger genannte Quellen als nicht-nutzwertige Beiträge.
  • Auch wenn der Anteil über die Jahrzehnte gesunken ist, wird bei der Themenauswahl auffällig häufig die Rolle des Geldanlegers und Aktionärs bedient.
  • Jeder zweite Wirtschaftsbeitrag mit praktischem Nutzwert ist sprachlich schwer verständlich. Vor allem wegen nicht erklärter Fachausdrücke – 2010 noch bei drei von zehn Artikeln anzutreffen – kann die nützliche Absicht des Autors auf dem Weg zum Leser verlorengehen.

Der Wirtschaftsjournalismus hat sich in den vergangenen vier Jahrzehnten stark verändert und will den Leser nicht nur informieren, sondern ihn auch in seiner Rolle als Verbraucher, Sparer und etwa als Energiekunde im Alltag unterstützen. Wie aus anderen Studien bekannt ist, erwarten dies auch die Leser von ihrer Regionalzeitung, weil sie heute in den zahlreichen liberalisierten Märkten mehr Entscheidungen selbst treffen müssen als früher. (ek)

Fachtagung nimmt Recherche bei Warentests unter die Lupe

(Screenshot: NR; Montage: ek)

Waren- und Dienstleitungstests nimmt sich in diesem Jahr der Journalistenverein Netzwerk Recherche auf seiner Jahrestagung in Hamburg im Bereich „Handwerk“ [Link erloschen] vor. Dort soll untersucht werden, welche Leistungen sie für Leser und Zuschauer erbringen und welche Recherchemethoden dabei zum Einsatz kommen können. Experten wollen das am Freitag, 1. Juni 2012, von 11 bis 12 Uhr unter der Überschrift „Die Warentester, Unabhängige Recherche statt Produkt-PR“ auf dem Podium diskutieren.

„Wird für Warentests investigativ recherchiert?“, fragen die Veranstalter. „Was ist Test, was ist Meinungsbild?“, lautet eine weitere Frage. Diese Fragen rund um den Nutzwertjournalismus sollen die eingeladenen Fachleute beantworten: Anita Stocker (Chefredakteurin der Zeitschrift Test/Stiftung Warentest), Christoph Fasel (Direktor des Instituts für Verbraucherjournalismus), Detlef Flintz (Produzent von H&M-Check/ARD) und Jürgen Stellpflug (Chefredakteur der Zeitschrift Öko-Test).

Die Jahrestagung des Netzwerkes Recherche steht dieses Mal unter dem Motto „Digi-Tal der Ahnungslosen: Recherche jenseits von googeln und mogeln“ und findet wie jedes Jahr im Konferenzzentrum des NDR in Hamburg statt. Die Teilnahme kostet 100 Euro, Mitglieder des Netzwerkes zahlen 60 Euro, Journalisten in Ausbildung 30 Euro. (ek)