Buch/Dissertation (2009/2011)

Dissertation: Der Nutzwertjournalismus (2009)

Eickelkamp, Andreas (2009): Der Nutzwertjournalismus. Diss., Universität Leipzig. Bibliografischer NachweisLink extern

Titel Nutzwertjournalismus Halem veröffentlicht unter: Eickelkamp, Andreas (2011): „Der Nutzwertjournalismus – Herkunft, Funktionalität und Praxis eines Journalismustyps“. Köln: Halem-Verlag.
Informationen des VerlagsLink extern

Rezension bei r:k:m – rezensionen:kommunikation:medien (Institut für Journalistik, TU Dortmund)Link extern: „Eickelkamp (…) verleiht seiner Arbeit (…) nicht den Charakter einer Dissertation, sondern eher den Charakter eines Sachbuches, was kein Nachteil ist. Insgesamt ist die Arbeit sehr lesenswert, sie ist zudem fehlerfrei und gut geschrieben.“

Rezension bei fachjournalist.deLink extern: „Insgesamt eignet sich der 487-seitige Band vor allem für Interessierte, die einen umfassenden Überblick zum Thema Nutzwertjournalismus suchen. Er gibt eine gute Übersicht über dessen Anfänge, Zusammenhänge, Merkmale, Probleme und Aufgaben (…).“

Rezension bei leseblog.deLink extern: „In der über 400 Seiten starken Arbeit geht es um ‚Einflussgrößen’, um den ‚theoretischen Kontext’, um ‚Rahmenbedingungen’. Ja, richtig, für praktisch arbeitende Journalisten ist dieses Buch nicht interessant, wohl aber für Medientheoretiker. Es ist auch erfreulich lesbar geschrieben. Bewertung: ****“ [4 von 5 möglichen Sternen, bedeutet: „Sollte man gelesen haben, ist eine Empfehlung wert.“ – Anm. A. E.]

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Abstract

Publikationen in allen Mediengattungen machen den Rezipienten journalistische Kommunikationsangebote, die diese auf ihren individuellen Alltag beziehen, als praktisch sinnvoll und nützlich wahrnehmen und in Handlungen umsetzen können. Diese Art von Journalismus wird uneinheitlich Ratgeber-, Service-, Verbraucherjournalismus oder wie hier Nutzwertjournalismus genannt. Dieser erlebte mit teilpublikumszentrierten und themenspezialisierten Zeitschriften bereits im 18. Jahrhundert im Zuge der Aufklärung eine Blütezeit. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Nutzwertjournalismus in allen Mediengattungen diversifiziert und hat zu einer Vielzahl spezifischer Darstellungs- und Präsentationsformen geführt. Dennoch ist er als wissenschaftlicher Gegenstand bisher weder eindeutig und allgemein bezeichnet, noch sind seine Aufgaben und Leistungen hinreichend beschrieben worden.

Die vorliegende Arbeit analysiert Rollenverständnis, Rahmenbedingungen und Funktionalität des Nutzwertjournalismus und definiert ihn als einen von anderen Journalismus-Gattungen abgrenzbaren Typ. In der Theoriediskussion werden zum einen Modelle aus der Medienwirkungsforschung und Befunde aus der Medienpsychologie und den Neurowissenschaften daraufhin überprüft, inwiefern sie Anschlüsse an Beobachtungsaussagen zum Nutzwertjournalismus bereitstellen. Zum anderen wird als Erweiterung des Theoriegebäudes die Evolutionäre Erkenntnistheorie vorgestellt und ihre Tauglichkeit für die Journalismusforschung diskutiert.

Vor dem Hintergrund eines sich in Deutschland in der Rechtsprechung verändernden Verbraucherleitbildes und zunehmender Einflüsse von Industrie und Handel durch Public Relations analysiert die Arbeit die Funktionalität des Nutzwertjournalismus für Rezipienten und Gesellschaft. Dabei lassen sich Funktionen erster Ordnung, die sich direkt im journalistischen Beitrag manifestieren, von solchen zweiter Ordnung unterscheiden, die resultierende und integrative Funktionen mehrerer Funktionen erster Ordnung darstellen. Die nutzwertjournalistischen Primärfunktionen sind die Anleitungs-, die Appell-, die (Problem-)Diagnose-, die Problemlösungs-, die Warn- und die Orientierungsfunktion. Als Funktionen zweiter Ordnung werden Beratung, Verbraucherschutz, Surveillance und Service identifiziert.

Im empirischen Teil wird einerseits untersucht, ob ein Konstrukt „Nutzwert“ aus den Primärfunktionen in Zeitschriftenartikeln mit Inhaltsanalysen messbar ist und zu deren Typologisierung taugt. Andererseits wird das Konstrukt für eine Online-Befragung durch Statements operationalisiert und geprüft, ob die Befragten den Nutzwert in ähnlicher Weise erkennen, wie er inhaltsanalytisch gemessen wurde (307 Versuchspersonen, 551 Befragungsrückläufe). Im Ergebnis haben die Versuchspersonen die jeweiligen Artikel in gleicher Weise, wie es die Inhaltsanalyse gezeigt hatte, danach unterschieden, ob diese ihrer Wahrnehmung nach nutzwertjournalistische Merkmale enthielten. Dabei verwenden die Leser nicht nur die nutzwertjournalistischen Merkmale für die Unterscheidung, sondern zusätzlich auch andere Mediennutzungsmotive.

Es wird eine Definition des Nutzwertjournalismus aufgestellt, die diesen als eine Ausprägung des Journalismus innerhalb eines funktional ausgerichteten, von journalistischen Akteuren geprägten Handlungs- und Sinnzusammenhangs bestimmt. Der Nutzwertjournalismus ist geleitet von der Intention der Journalisten, Kommunikationsangebote an die antizipierten Rezipienten zu machen, die diese als unterstützend, anwendbar und/oder umsetzbar im individuellen praktischen Leben interpretieren. Die Intention ist dabei geprägt von den vermuteten oder belegten Erwartungen der Rezipienten.Spacer

 

Download: Kapitel 7: Wie wird Nutzwert erkannt? Eine empirische Studie.

(nicht im Buch enthalten)

S. 355-407 der Diss. sowie Anhang (inkl. Codebuch und untersuchten Artikeln) (pdf, 35 MB)Link extern